Heimatverein


  der Börde Sittensen e.V.

Aktuelles

Zwischen Geschichte, Natur und DDR-Eis

Heimatverein Sittensen erlebte abwechslungsreiche Elbkreuzfahrt

 

Eine Reise durch eindrucksvolle Landschaften und bewegte deutsche Geschichte unternahm der Heimatverein Sittensen am Sonntag, dem 31. Mai. Pünktlich um kurz vor acht Uhr starteten die Teilnehmer an der Ostetalschule KGS Sittensen zu einer Tagesfahrt entlang der Elbe nach Mecklenburg-Vorpommern. „Ich denke, es war ein rundum gelungener Ausflug, auch wenn wir wegen des Regens etwas umdisponieren mussten“, resümierte Organisator Jürgen Kiel.

Erstes Ziel war die Stadt Dannenberg im Wendland. Dort wurden die Ausflügler von zwei Gästeführern empfangen. Nach einem gemeinsamen Frühstück mit frischen Brötchen und Kaffee am Bus stand eine Stadtführung auf dem Programm. Dabei erfuhren die Teilnehmer Wissenswertes über die Geschichte und Entwicklung der traditionsreichen Stadt, deren Ursprünge bis ins Mittelalter zurückreichen.

Von Dannenberg ging es weiter nach Dömitz an der Elbe. Dort wartete bereits das Fahrgastschiff „Elise“ auf die Gruppe. Während der Fahrt stromabwärts rückte eines der ungewöhnlichsten Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte in den Mittelpunkt: die ehemalige Dorfrepublik Rüterberg.

Kapitän Andreas Heckert verstand es, die Geschichte des kleinen Elbdorfes lebendig werden zu lassen. Nach dem Zweiten Weltkrieg lag Rüterberg unmittelbar an der innerdeutschen Grenze. Die rund 150 Einwohner lebten jahrzehntelang unter außergewöhnlichen Bedingungen. Das Dorf war vollständig von Grenzanlagen umschlossen. Wer Rüterberg verlassen wollte, musste Passkontrollen passieren. Nach 23 Uhr wurden die Tore geschlossen und niemand durfte den Ort mehr verlassen oder betreten. Die Bewohner fühlten sich zunehmend isoliert und erklärten ihr Dorf im Jahr 1989 symbolisch zur „Dorfrepublik Rüterberg“ – ein stiller Protest gegen die Einschränkungen des DDR-Grenzregimes. Erst mit der friedlichen Revolution und dem Fall der Mauer endete diese besondere Situation.

Während die Elblandschaft gemächlich vorbeizog, genossen die Teilnehmer nicht nur die interessanten Erläuterungen des Kapitäns, sondern auch ein gemeinsames Mittagessen an Bord. So verband die Fahrt Naturerlebnis und Zeitgeschichte auf eindrucksvolle Weise.

Nach der Rückkehr nach Dömitz erwartete eine Gästeführerin die Gruppe zu einem Rundgang durch die historische Festungsstadt. Ein heftiger Regenschauer machte jedoch eine Besichtigung der Dömitzer Elbfestung unmöglich. Kurzerhand wurde das Programm angepasst und die Teilnehmer unternahmen stattdessen eine Busrundfahrt in die Umgebung. Ziel war die Binnendüne Klein Schmölen, die als größte Binnenwanderdüne Europas gilt. Auch während dieser Fahrt verstand es die Gästeführerin, mit ihren lebendigen Erläuterungen die Landschaft und ihre Besonderheiten näherzubringen, sodass der wetterbedingte Programmwechsel bei den Teilnehmern auf große Zustimmung stieß.

Zum Abschluss der Reise blieb noch Zeit für eine kleine kulinarische Zeitreise. Viele Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, originales DDR-Soft-Eis zu probieren. Die Spezialität unterscheidet sich bis heute von modernem Softeis durch ihre festere Konsistenz und den unverwechselbaren Geschmack, der bei einigen Erinnerungen an vergangene Zeiten weckte.

Mit zahlreichen Eindrücken aus der Geschichte des ehemaligen Grenzgebietes sowie vielen schönen gemeinsamen Erlebnissen kehrte die Reisegruppe am Abend nach Sittensen zurück.

„Holländsche Kekse“ in Omas Dose 

Plattdeutscher Abend begeistert im Heimathaus

 

Zu einem ebenso unterhaltsamen wie stimmungsvollen Abend hatte der Heimatverein der Börde Sittensen am Freitag ins Heimathaus Sittensen eingeladen. Unter dem Motto „Jümmer na vörn kieken“ stand dort die plattdeutsche Sprache im Mittelpunkt – mit Geschichten, Musik und viel Humor.

Als besonderer Gast war der Alfstedter Autor, Lehrer und Plattdeutschbeauftragte des Landschaftsverband Stade, Hans-Hinrich Kahrs, nach Sittensen gekommen. Mit einem kleinen augenzwinkernden Sprachkurs führte er das Publikum zunächst in die wichtigsten plattdeutschen Alltagsbegriffe ein. Dabei wurde schnell klar, dass „Moin“ je nach Betonung viele Bedeutungen haben kann, „Süü“ ein Wort für fast jede Situation ist und „denn man too“ als Antwort auf beinahe alles passt. Schon hier wurde im Saal viel gelacht.

In seinen plattdeutschen Kurzgeschichten und Alltagsanekdoten nahm Kahrs das Publikum anschließend mit auf eine Reise durch Erinnerungen und Beobachtungen aus dem norddeutschen Alltag – mal heiter, mal nachdenklich, immer mit einem liebevollen Blick auf Menschen und ihre Eigenheiten. Besonders gut kam eine Geschichte über „holländische Keksen“ an, die in Omas Keksdose landeten und schließlich in einem fröhlich eskalierenden Kaffeekränzchen endeten. Der humorvolle Bericht sorgte für große Heiterkeit – und einige ältere Damen kündigten augenzwinkernd an, sich in den nächsten Tagen unbedingt das Rezept besorgen zu wollen.

Auch Geschichten aus den 1970er-Jahren ließen viele Zuhörer schmunzelnd in Erinnerungen schwelgen: etwa als die Haare der jungen Männer länger wurden und sich noch die ganze Familie mit einem Plastik-Kamm frisierte, während besonders „coole“ Halbstarke stolz einen Metallkamm in der Hosentasche trugen und sich vor jedem Spiegel demonstrativ die Haare „striegelten“. So mancher im Publikum erkannte sich darin lachend wieder.

Zwischen den Lesungen sorgten Markus Steinbach (Klavier/Gesang) und Heike Winter (Gitarre/Gesang) für die musikalische Begleitung des Abends. Mit ihren eigenen Arrangements präsentierten sie ein abwechslungsreiches Programm mit Liedern unter anderem von Ina Müller, den Puhdys und Knut Kiesewetter. Gesungen wurde überwiegend auf Plattdeutsch, doch auch Stücke auf Englisch, Französisch und Hochdeutsch gehörten zum Repertoire.

Die eingängigen Melodien und die ausdrucksstarken Stimmen der beiden Musiker kamen beim Publikum sehr gut an – bei einigen Liedern wurde sogar leise mitgesungen.

Das Zusammenspiel aus plattdeutscher Literatur, humorvollen Erinnerungen und stimmungsvoller Musik sorgte für viele Lacher, aber auch für nachdenkliche Momente. Immer wieder gab es spontanen Applaus und sogar Bravorufe aus dem Publikum. Am Ende des Abends ließ sich das Duo auch zu einer musikalischen Zugabe überreden – ein Wunsch, der aus den Reihen der Zuhörer lautstark geäußert wurde.

So wurde der plattdeutsche Abend im Heimathaus zu einem rundum gelungenen und sehr unterhaltsamen Ereignis – ganz im Sinne des Mottos: ein „kommodiger Avend“, der zum Zuhören, Schmunzeln und Erinnern einlud.