Erbbegräbnisstätte Burgsittensen

„Eines Edlen Grab heiliget den Ort“

 

Ort und historische Einordnung


Das Erbbegräbnis befindet sich auf dem Gelände der sogenannten „Alten Burg“ bei Burgsittensen. Diese Anlage war ursprünglich eine Wallburg, also eine frühgeschichtliche Befestigung, deren Schutz vor allem durch einen aufgeschütteten Erdwall und die natürliche Umgebung gewährleistet wurde.

Die Burg lag strategisch günstig: Auf der nordöstlichen Seite wurde sie von der Oste, auf der westlichen Seite vom Burgsittenser Bach umflossen. Zusammen mit der feuchten Niederung bildeten diese Gewässer eine natürliche Barriere. Der Wall umschloss eine nahezu kreisrunde Innenfläche mit einem Durchmesser von etwa 60 Metern und einer Freifläche von fast 3000 m², die theoretisch Platz für mehrere Gebäude geboten hätte. Der Zugang zur Anlage befand sich an der südöstlichen Seite.

Auf der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1769 ist der Wall noch deutlich zu erkennen. Möglicherweise verstärkte ursprünglich ein Palisadenzaun auf dem Wall die Befestigung zusätzlich. Er war im Jahr 1801 noch etwa 1,35 Meter hoch und rund 12 Meter breit.

Skizze der Befestigungsanlage in Burgsittensen aus dem 9. bis 10./11. Jahrhundert. Rekonstruiert anhand der Kurhannoverschen Landesaufnahme aus dem Jahre 1769. Ergänzt durch eine mögliche Innenbebauung in früherer Zeit (Quelle: Zeichnung, eigenes Werk, Meyer-Biemold, 2022).


Das Erbbegräbnis auf der Alten Burg


Eine außergewöhnlich detaillierte Beschreibung der Burganlage und des Erbbegräbnisses verdanken wir Caspar Detlev von Schulte. Er schilderte die „Alte Burg“ als eine Vertiefung, die von einem breiten, mit Eichen und Buchen bewachsenen Wall umgeben war.

Ursprünglich bestand der Wunsch, die Grabstätte in der Mitte der Vertiefung anzulegen, um das Begräbnis genau im Zentrum der alten Burg zu platzieren. Eine genaue Untersuchung des Bodens ergab jedoch, dass dieser Bereich stark moorig war und bereits in geringer Tiefe Wasser führte.

Aus diesem Grund wurde das Grab auf dem Wall selbst angelegt – und zwar auf dessen nordwestlicher Spitze. Diese Stelle teilte die alte Burg vom ehemaligen Eingang aus gesehen in zwei gleiche Hälften und bot zugleich praktische Vorteile für die geplante, spätere Abtragung des Walles.

Hier wurde mittig im etwa 12 Meter breiten Wall ein Grab von rund 3 Metern Länge, 1,80 Metern Breite und 2,45 Metern Tiefe ausgehoben. Der Boden erwies sich als tragfähig: Feste Dammerde lag über einer Sandschicht mit Eisenbeimengungen.

Ausschnitt aus der Kurhannoverschen Landesaufnahme aus dem Jahr 1769. Der Pfeil zeigt auf den noch deutlich zuerkennenden Ringwall südlich der Oste (Quelle: Auszug aus den Geobasisdaten der Niedersächsischen Vermessungs- und Katasterverwaltung, © 2022).


Die Familie Schulte und der Wandel der Begräbniskultur


Die Familie Schulte galt als eine der reichsten Familien zwischen Elbe und Weser. Der auf Kuhmühlen wohnende Diederich Schulte (ⴕ 1616), Burgmann zu Horneburg, Erbherr zu Esteburg und Burgsittensen, veranlasste den Neubau der St. Dionysius-kirche (1606–1613). In der Folgezeit wurden die Mitglieder der Familie in einer Gruft unter dem Altar dieser Kirche bestattet – eine damals übliche Praxis des Landadels.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts setzte sich jedoch im Zuge der Aufklärung ein grundlegender Wandel durch: Viele adlige Familien verlegten ihre Begräbnisstätten aus den Kirchen hinaus in die freie Natur, häufig in die Nähe ihrer Gutssitze. Vor diesem Hintergrund ordnete Alexander Schulte (1741–1801), Landrat und Erbherr auf Burgsittensen und Vierden, an, für sein Begräbnis einen „schicklichen Platz“ auf der Alten Burg herzurichten.

Der Eingang zur Gruft befand sich an der Nordseite der Begräbnisstätte. Während oder nach dem 2. Weltkrieg drangen Grabräuber in die Gruft ein und zerstörten den Eingang. Daraufhin wurden die Grabplatte und das Gitter ins Innere der Gruft gelegt und diese mit einer einfachen Tür verschlossen. In den 1960er Jahren war das Erbbegräbnis stark verfallen und die Kinder des Dorfes konnten durch ein Loch in der „Decke“ ins Innere der Gruft blicken. Ende der 1960er Jahre wurde der Eingang zugemauert. 1983 fanden umfangreiche Instandsetzungsarbeiten statt und die Grabtafel bekam anstatt der ursprünglichen Feldsteineinfassung eine Ziegelsteinumrandung.

Hier bestattete Familienmitglieder


  • Alexander Schulte
    Landrat, Burgmann zu Horneburg und Erbherr auf Burgsittensen und  Vierden
    * 05.05.1741 – † 31.07.1801, Beisetzung 07.08.1801


  • Sophie Hedewig Wilhelmine Louise Schulte, geb. von dem Bussche-Münch

        Zweite Ehefrau von Caspar Detlev von              Schulte
        * 25.03.1778 – † 16.03.1808 in Hannover, Beisetzung              24.03.1808


  • Otto Schulte
    Generalmajor, Verwalter der Güter Burgsittensen, Vierden und Kuhmühlen
    * 20.07.1744 – † 02.08.1826, Beisetzung 06.08.1826


  • Caspar Detlev von Schulte
    Königlich Hannoverscher Staats- und Finanzminister
    * 13.03.1771 – † 27.12.1846, Beisetzung 04.01.1847


  • Ludwig Otto von Schulte
    Rittmeister a.D. in der Hannoverschen Armee, jüngster Bruder von Caspar Detlev
    * 17.09.1793 – † 12.10.1849, Beisetzung 20.10.1849